Die deutsche Sprache kennt vier Fälle: Nominativ (1.), Genitiv (2.), Dativ (3.), Akkusativ (4.) oder auch Wer-Fall, Wes-Fall, Wem-Fall und Wen-Fall. Doch diese vier Fälle sind nur Rudimente einer Vielzahl an Fällen, die es einst gab. Und das Sterben der Fälle geht weiter. Der Genitiv ist akut gefährdet, weil er in der Alltagssprache vom Dativ schon fast vollständig verdrängt worden ist.

Deutsch ist eine indogermanische Sprache und hatte einst neun Fälle: Neben den vier heutigen Fällen gab es noch Ablativ, Instrumental, Allativ, Vokativ und Lokativ.

  • Der Nominativ benennt das Subjekt.
  • Der Genitiv sagt, wer oder was zusammengehört, bezeichnet Abhängigkeiten, Dazugehörigkeiten, Beziehungen, Eigentum.
  • Der Dativ bezeichnet den Empfänger oder den Ort (Wo?).
  • Der Akkusativ gibt die Richtung, den Ortswechsel (Wohin?) an.
  • Der Ablativ wird im heutigen Deutsch durch Präpositionen mit Dativ oder Akkusativ ausgedrückt.
  • Der Instrumental benennt das Mittel, mit dem eine Handlung ausgeführt wird.
  • Der Allativ drückt die Bewegung in Richtung auf einen Ort hin bzw. hin zu einer Person aus.
  • Der Vokativ ist der spezielle Fall, um eine Person (besonders freundlich) anzusprechen. Heute übernimmt der Nominativ die Funktion.
  • Der Lokativ bezeichnete einst den Ort.

Die Fälle gibt es, um Klarheit in den Satz zu bringen. Die Fällen verdeutlichen die Rollen und Beziehungen der einzelnen Personen und Objekte. Was das in der Praxis bedeutet, soll ein Beispiel verdeutlichen. Nicht dekliniert: Die Frau der Bruder geben der Tochter der Pfarrer der Hut. Dekliniert: Die Frau des Bruders gibt der Tochter des Pfarrers den Hut.

der Genitiv

Der Genitiv kann Beziehungen (1), Eigentumsverhältnisse (2) und nähere Beschreibungen (3) ausdrücken.

1) der Bruder meines Vaters oder meines Vaters Bruder
2) das Haus des Freundes
3) der Tag des Kindes

Tritt der Genitiv in Verbindung mit Namen auf (Personen, Städte, Länder, Markennamen), bekommt der Name am Ende ein -s.
Name + s + Noun, zum Beispiel Siegfrieds Mutter
Endet der Name auf s, z oder x, kommt am Ende statt -s ein Apostroph (‚), zum Beispiel Marx‘ Kapital.

In allen anderen Fällen werden die Wörter mit der (feminin) oder des (maskulin oder neutral) verbunden.
Zum Beispiel: das Licht der Sonne, das Schicksal des Vaters, das Spiel des Kindes.

Bastian Sick, ein Meister der deutschen Sprache, nennt 92 Präpositionen, die den Genitiv verlangen.

Dass die deutsche Sprache Fälle kennt, mag viele Ausländer nicht weiter stören, zumal etliche von ihnen in ihrer Muttersprache mehr als vier Fälle kennen. Die Tatsache jedoch, dass viele Deutsche nicht dem Hochdeutschen (Region Hannover) folgen, sondern den Regeln des Dialekts ihrer Region, macht die Sache komplizierter. Während deutschlandweit die Krankheit grassiert, den Dativ anstelle des Genitivs zu verwenden, vertauschen Menschen unter anderem in Berlin und Bernburg (Sachsen-Anhalt) all zu gerne den Gebrauch von mir und mich. So wird dann aus „Ich liebe Dich!“ (Hochdeutsch) ein „Ik liebe Dir!“ (Berlin) oder aus „Gib mir mal die Butter!“ (Hannover) ein „Gib mich mal die Butter!“ (Bernburg).