Was ist schwer an der deutschen Sprache? Bis zum Level C1 ist bei Sprachstudenten zu sehen und zu hören: Schwer sind die Artikel. Probleme bereiten auch die trennbaren Verben. Verben können fast überall im Satz stehen, trotzdem ist nicht egal, wo sie stehen. Wenn mehrere Verben zusammengehören, dann können sie je nach Stellung im Satz ihr Positionen tauschen. Verben können ohne und mit Präpositionen stehen und Fälle verlangen. Außerdem können sie eine Unzahl Vorsilben haben, die trennbar sind (trennbare Verben). Zum Beispiel: vorlesen. Kannst Du den Satz bitte vorlesen? Lies den Satz bitte vor!

Trennbare Verben gehören zu den Eigenheiten der deutschen Sprache, die Ausländern Schwierigkeiten bereiten. Ein trennbares Verb entsteht, wenn man ein Präfix (eine Vorsilbe) – oft sind das Präpositionen – vor den Verbstamm stellt. Trennbare Verben haben die Eigenheit, dass ihr Präfix vom Wortanfang an das Satzende wandert. Die jeweilige Bedeutung des Verbs wird daher erst am Satzende klar.

Es gibt zwei Wege mit trennbaren Verben umzugehen: einen leichten und einen schweren Weg.

  • Der leichte Weg: Verwende Hilfsverben (sein, haben, werden) oder Modalverben (wollen, können, mögen, sollen, dürfen, müssen) und nutze das trennbare Verb im Infinitiv! Dann ist alles ganz unkompliziert. Doch merke: Besteht ein Prädikat aus zwei (oder mehr) Verben, steht der zweite Teil am Ende des Satzes.
  • Der schwere Weg: Nimm das trennbare Verb und bedenke, dass die Vorsilbe des trennbaren Verbs (Präfix) am Ende des Satzes stehen muss! Dazu muss man wissen, welche Vorsilben es gibt und welche dieser Vorsilben tatsächlich trennbar sind. Das sind die Vorsilben: ab, auf, aus, bei, ein, fort, heim, her, heraus, herein, herum, herunter, herüber, hin, hinauf, hinunter, hinüber, los, nach, mit, vor, um, unter, weg, weiter, zu, zurück, zwischen.

Einige Vorsilben sind manchmal trennbar, aber manchmal auch nicht trennbar. Das gilt für folgende Vorsilben: durch, hinter, über, um, unter. Außerdem gibt es auch einige Vorsilben, die nicht vom Verb getrennt werden dürfen. Das sind: be, emp, ent, er, ge, miss, ver und zer.

Es ist wichtig, die Idee hinter der Trennbarkeit zu kennen, um zu verstehen, wann ein Verb trennbar ist und wann es nicht trennbar ist: Der Wortstamm des trennbaren Verbs beinhaltet die grundsätzliche Idee, warum es geht. Die Vorsilbe (Präfix) konkretisiert die Idee. Zum Beispiel: Das Verb „kommen“ ist ein Verb ohne Vorsilbe, kann aber sehr viele Vorsilben annehmen: an-kommen, heraus-kommen, vor-kommen … und so weiter.


Weil die Vorsilbe den Wortstamm des trennbaren Verbs näher bezeichnet, wird sie betont und im Satz sozusagen exklusiv behandelt, separiert und an den Schluss gesetzt.

Der typische deutsche Satz hat einen Rahmen, der vom Verb gebildet wird (Framing), wenn es zweiteilig ist, was oft zutrifft. Das lässt sich besonders gut mit Sätzen zeigen, die trennbare Verben enthalten.

aufstehen – Das Kind steht um 8 Uhr auf.

einkaufen – Die Familie kauft am Wochenende zusammen ein.

losgehen – Der Vater geht heute ohne Schirm los.

aufessen – Der kleine Junge isst ein ganzes Hühnchen auf.

wegfahren – Die Nachbarn fahren mit dem Auto weg.

Nathalie Licard erklärt bei Harald Schmidt im deutschen Fernsehen, warum die deutsche Sprache viel zu schwer ist, wie sich Ausländer die deutsche Sprache leichter machen können und warum trennbare Verben gefährlich sein können.