30 Jahre deutsche Einheit

Von 1949 bis 1990 gab es zwei deutsche Staaten. Deutschland war geteilt. Die Teilung war ein Ergebnis des Zweiten Weltkriegs (1939-1945). Das Deutsche Reich unter Adolf Hitler verlor den Krieg. Auf mehreren Konferenzen (Teheran und Jalta) hatten die Sowjetunion, USA, Großbritannien und Frankreich beschlossen, Deutschland zu teilen. Die Teilung sah 1945 zunächst so aus: Abgetrennt wurden alle Teile des Deutschen Reiches östlich der Flüsse Oder und Neiße und Polen (Pommern, Ostpreußen, Schlesien, Ostbrandenburg) sowie der Sowjetunion (Königsberg) zugeschlagen. Das übrige Reich und die Reichshauptstadt Berlin wurden jeweils durch Vier geteilt. Die Sowjetunion bekam Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg.

Sowjetunion, USA, Großbritannien und Frankreich standen sich schon bald nach Kriegsende feindlich gegenüber, da sie Vertreter gegensätzlicher politischer Systeme waren und darum stritten, welches System sich durchsetzt. Im Gegensatz zu den anderen war die Sowjetunion ein sozialistischer Staat, der sich erklärtermaßen zum kommunistischen Staat weiterentwickeln wollte. Das war zwar nicht die einzige Konzeption Moskaus für „Mitteldeutschland“, aber die bevorzugte.

Die Widersprüche zwischen den Siegermächten traten schon bald nach dem Ende des Krieges offen zutage, dabei hatten Ost- und Westdeutschland erst einmal immense Flüchtlingsströme zu bewältigen. 1944 und 1945 flohen rund 14 Millionen Deutsche aus den besetzten Ostgebieten nach Mitteldeutschland (Ostdeutschland) und Westdeutschland. Hinzu kamen die Demontagen. In Ost und West nahmen die Alliierten Maschinen und Anlagen aus Deutschland mit. In der Folge waren ganze Betriebe handlungsunfähig.

Im Osten Deutschlands wurde alles getan, um einen Sozialismus nach sowjetischen Vorbild zu etablieren. Das begann 1945 mit der Bodenreform („Junkerland in Bauernhand“) und 1946 mit der Gründung der Sozialistischen Einheitspartei (SED) sowie dem kommunistischen Jugendverband (FDJ) 1946 und setzte sich fort über die fortwährende Enteignung von Gütern, Betrieben und Häusern. Im Westen hingegen tat man alles dafür, den Einfluss der Kommunisten zu unterbinden und Deutschland in das westliche Wirtschafts- und Wertesystem einzugliedern.

1948 bekamen die Westzonen eine neue Währung: die Deutsche Mark. Der Osten zog zeitnah nach und führte eine eigene Deutsche Mark ein. Das war ein entscheidender Schritt zur Teilung Deutschlands, zu der es im Herbst 1949 tatsächlich kam. Die Westmächte gründeten am 7. September 1949 die Bundesrepublik Deutschland (BRD), unter Federführung der Sowjetunion entstand am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR).

Am 13. August 1961 zog die DDR in einer Nacht- und Nebelaktion eine Mauer zwischen Ost- und West-Berlin. Die DDR reagierte damit auf existenzbedrohende Entwicklungen. Eine beachtliche Zahl Menschen konnte sich mit dem Sozialismus nicht anfreunden oder erlag den Verlockungen des „goldenen Westen“. Vor allem für die Intellektuellen war der Westen attraktiver. Ärzte, Lehrer und Juristen gingen – die DDR konnte den Verlust nicht kompensieren. Außerdem unternahmen westliche Geheimdienste alles, um das politische System und die Wirtschaft in der DDR massiv zu beschädigen und den Aufbau zu stören.

Ein weiteres Problem war der unkontrollierte Einfluss frei konvertierbarer Währungen. Bei einem Schwarzmarktkurs von bis zu 1:10 (1 Mark West = 10 Mark Ost) einerseits und staatlich gestützten Preisen (unter anderem Lebensmittel und Kinderkleidung) andererseits drohte der Ausverkauf in der DDR, die schon mit systembedingten Engpässen genug zu kämpfen hatte.

Bei den Olympischen Spielen kam die Trennung der beiden deutschen Staaten erst 1965. Bis dahin waren die beiden deutschen Staaten in einer gesamtdeutschen Mannschaft angetreten.